Kapital oder Rente

Alle Sparer stehen zu Beginn ihres Ruhestands vor derselben Entscheidung: Soll ich mir mein Kapital auszahlen lassen und es nach bestem Wissen aufbrauchen? Dann käme ein Auszahlplan bei einer Bank oder Fondsgesellschaft infrage. Eine feste monatliche Rente bis ans Lebensende garantiert dagegen eine Rentenversicherung.

Auch eine Frage des Alters

Das Schwierige an dieser Entscheidung: Sie wissen nicht, wie lange Ihr Geld reichen muss. 10, 15 oder sogar 40 Jahre? Wer heute 60 Jahre alt ist, feiert laut Statistik auch seinen 80sten Geburtstag, Frauen werden im Schnitt sogar 84 Jahre alt. Aber das können nur Anhaltspunkte sein. Sie planen immer mit einer unbekannten Größe.

Vielzahl an Produkten

Egal mit welchem Zeitraum Sie rechnen: Es führen wie immer mehrere Wege zum Ziel. Neben Privatrente oder Auszahlplan existieren eine Reihe weiterer Produkte, die unterschiedliche Aspekte der beiden Lösungen kombinieren. So gibt es Rentenversicherungen, die zugunsten der Rendite an den Kapitalmärkten investieren, ebenso wie Auszahlpläne auf Fondsbasis, die eine lebenslange Rente garantieren.

Rentabilität und Sicherheit

Für eine höhere Rendite müssen Sie immer höhere Risiken in Kauf nehmen. Versicherungen bieten große Sicherheit bei einer Mindestverzinsung von derzeit 1,75 Prozent. Mit einem fondsbasierten Auszahlplan lassen sich zwar mitunter höhere Erträge erzielen. Diese sind aber nicht garantiert.

Lebenslange Renten und Vererbbarkeit

Die sogenannten Leibrenten bieten eine lebenslange Versorgung. Im Falle des eigenen Todes wird eventuell vorhandenes Restkapital jedoch nicht an Hinterbliebene vererbt. Zwar können diese durch zusätzliche Vereinbarungen abgesichert werden. Das mindert jedoch die monatlichen Raten.

Flexibilität für spätere Anpassungen

Die verschiedenen Lösungen unterscheiden sich auch in der Frage, wie flexibel Sie an Ihr Geld kommen. Bei privaten Rentenversicherungen legen Sie sich spätestens in der Auszahlphase in der Regel bis an Ihr Lebensende fest. Auch Bankauszahlpläne lassen sich meist nachträglich nicht mehr ändern. Bei fondsbasierten Auszahlplänen können Sie Laufzeiten und Beträge jederzeit anpassen.

Rentenversicherung für die Auszahlphase

Eine private Rentenversicherung können Sie schon in der Ansparphase oder erst bei Rentenbeginn nutzen. Bei der sogenannten Sofortrente zahlen Sie einen bestimmten Betrag, zum Beispiel aus einer Lebensversicherung oder einer Erbschaft, in eine private Rentenversicherung ein. Daraus beziehen Sie dann sofort oder ab einem vereinbarten Termin eine lebenslange Rente.

Garantierte Rente plus Überschuss-Anteile

Die monatlichen Rentenzahlungen setzen sich zusammen aus einem garantierten Teil und einer Überschuss-Rente. Diese ergibt sich aus den von der Versicherungs-Gesellschaft erwirtschafteten Überschüssen. In regelmäßigen Abständen wird dieser nicht garantierte Anteil neu festgelegt.

Absicherung von Hinterbliebenen

Sie können vereinbaren, dass Ihre Rente im Fall Ihres Todes eine Zeit lang weiter an Ihre Hinterbliebenen gezahlt wird. Oder Sie legen eine Beitrags-Rückgewähr fest. Ihre Angehörigen erhalten dann das noch nicht als Rente ausgezahlte Kapital zurück. Möglich ist auch der Einschluss einer Hinterbliebenen-Zusatzversicherung. Ihrem Partner wird in diesem Fall nach Ihrem Tod eine bestimmte Rente lebenslang gezahlt.

Auszahlung mit oder ohne Kapital-Verzehr

Mit einem Auszahlplan legen Sie Ihr Kapital an und lassen es sich in Raten wieder auszahlen. Es gibt zwei Varianten: Beim Modell mit Kapital-Verzehr bekommen Sie neben laufenden Zinsen jeweils einen Teil des angelegten Geldes. Am Ende ist das Kapital verbraucht. Alternativ können Sie sich lediglich die Zinsen auszahlen lassen. Die Raten sind entsprechend niedriger, dafür bleibt das Kapital erhalten.

Bankauszahlplan: sicher und genau kalkulierbar

Hohe Sicherheit und genaue Kalkulierbarkeit bietet Ihnen ein Bankauszahlplan. Die monatlichen Raten richten sich nach eingezahltem Kapital, Laufzeit und Zinssatz. Nachträgliche Änderungen oder eine Kündigung des Auszahlplans sind in der Regel nicht möglich.

Fonds-Auszahlplan: Chance auf höhere Renditen

Mit einem fondsbasierten Auszahlplan sind Sie sehr flexibel und können Rendite-Chancen an den Kapitalmärkten nutzen. Sie tragen allerdings auch die Risiken: Bei sinkenden Kursen können Sie Kapital verlieren. Ihr Vermögen ist dann früher verbraucht als geplant. Die Auszahlraten können jederzeit erhöht, gesenkt oder sogar alle Fonds-Anteile auf einen Schlag verkauft werden.

Auszahlplan: Erträge unterliegen Abgeltungsteuer

Seit dem 1. Januar 2009 unterliegen Kursgewinne, Zinsen, Dividenden und Ausschüttungen von Investmentfonds der Abgeltungsteuer. Sie mindert die Erträge um 25 Prozent plus Solidaritäts-Zuschlag und eventuell Kirchensteuer. Dies gilt auch für Erträge aus Bank- und fondsbasierten Auszahlplänen, sobald sie den Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Verheiratete 1.602 Euro) überschreiten.

Rentenversicherung: Steuern auf Ertragsanteil

Bei Rentenversicherungen, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, wird der sogenannte Ertragsanteil mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Er sinkt, je später Sie mit der Rente beginnen: Starten Sie mit 60 Jahren, liegt er bei 22 Prozent, mit 65 Jahren liegt er bei 18 Prozent.

Die Lösung muss zu Ihnen passen

Klassische Rentenversicherungen sind interessant, wenn Sie jegliches Risiko vermeiden möchten, Kapital zu verlieren. Außerdem bieten sie eine lebenslange Rente. Mit Fonds können Sie dagegen unter Umständen deutlich bessere Renditen erzielen. Auch können Sie flexibel auf Ihr Geld zugreifen. Vorhandenes Restkapital wird im Fall des eigenen Todes ebenso wie bei Bankauszahlplänen vererbt.

Auszahlplan: Irgendwann ist das Geld weg

Bei Auszahlplänen wird das Geld immer weniger, irgendwann ist es aufgebraucht. Bei fondsbasierten Auszahlplänen tragen Sie außerdem das Risiko von Wertverlusten und von möglichem vorzeitigem Kapital-Verbrauch. Überlegen Sie, wie wohl Sie sich bei diesen Gedanken fühlen. Eine lebenslange Rente ist möglicherweise nicht so hoch, aber dafür ein sicheres Einkommen. Das ist für manchen unbezahlbar.

Mehrere Produkte kombinieren

Sie müssen sich aber auch nicht zwingend für das eine oder das andere entscheiden. So könnten Sie beispielsweise fixe Kosten wie Miete und täglichen Lebensbedarf aus lebenslangen Rentenzahlungen decken. Mit Einnahmen aus Auszahlplänen können Sie zusätzliche Wünsche finanzieren. Oder Sie entnehmen Ihrem Kapital bis zum 80. oder 85. Lebensjahr neben den Erträgen nur einen kleinen Teil und zahlen den Rest in eine sofort beginnende Privatrente ein.

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